Loch Lomond Distillery

Vom 29. April bis 03. Mai 2019 ging es für den Whiskyclub „Friend’s of Riegger’s Selection“ nach Schottland. Bei der 5-tägigen Reise waren wir mit dem Bus unterwegs. Zwei bis drei Brennereien täglich, tolle Hotels, super Essen und die bekannte warmherzige Gastfreundschaft der Schotten hat uns begleitet.

Gleich früh morgens nahmen wir den ersten Flieger nach Edinburgh wo bereits Harry unser Busfahrer auf uns wartete. Die erste Nacht war in Campbeltown geplant und da der Weg bis zum südlichen Ende der Kintyre Halbinsel doch lange ist, machten wir unseren ersten Stopp bei der Loch Lomond Distillery. Dank einiger glücklicher Zufälle konnten wir vor der Reise eine private Tour durch die eigentlich nicht für die Öffentlichkeit zugängliche Brennerei organisieren.

Mit großen Erwartungen standen wir dann vor den verschlossenen Toren der industriellen Distillery. Es gibt Brennereien, den sieht man sofort an, dass jedes Stückchen Holz und bis ins letzte Detail alles für Besucher konstruiert ist. Nicht so bei Loch Lomond. Schon von außen sahen wir die steril wirkenden Lagerhäuser aus Wellblech und Staplerfahrer, die palettenweise Whiskyfässer von A nach B transportierten. Dann holte uns David Lind, der Europe Director der Loch Lomond Group ab. Zusammen mit Darek, dem Distillery Manager ging die Tour auch gleich los.

Loch Lomond unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von den anderen schottischen Brennereien, die man so zu Gesicht bekommt. Aber das Ziel von Loch Lomons scheint eindeutig: Möglichst viele unterschiedliche Formen und Geschmäcker von Whisky zu produzieren. Es gibt unterschiedliche Arten von Pot Stills, eine Patent Still für gemälzte Gerste und riesige Brennereianlagen für Grain Whisky. Das Ergebnis sind zum einen unterschiedliche Arten von Single Malt Whiskies, ein Grain Whisky aus gemälzter Gerste (wie jetzt, gemälzte Gerste ist doch Malt Whisky oder? ?) und Blended Whisky aus einer Brennerei (quasi Single Blended Whisky – darf sich aber nicht so nennen).

Doch eins hat zumindest jeder Malt Whisky von Loch Lomond gleich. Durch eine verhältnismäßig lange Fermantation von bis zu 82 Stunden wirken Loch Lomond Malts schön fruchtig. Besonders herausstechend sind die typischen Birnennoten.

Bereits bei der Fermentation fängt es an, kompliziert zu werden. Durch den Einsatz von unterschiedlichen Hefen werden unterschiedliche Nuancen aus dem Whisky herausgekitzelt. So kam bereits auch eine Chardonnay und eine Sauvignon Blanc Weinhefe zum Einsatz, was einen Whisky mit weinigem Charakter herausbrachte.

Die Brennereianlagen

Doch beim Brennen wird es richtig einzigartig. Die riesige Brennerei destilliert nicht nur in traditionellen (Swan Neck) Pot Stills. Es gibt auch so genannte Straight Neck (Pot) Stills, eine Coffey Still für gemälzte Gerste und riesige Destillieranlagen für Grain Whisky.

Die Swan Neck Pot Stills, also diejenigen Stills, die man aus den anderen schottischen Brennereien kennt, produzieren klassischerweise einen eher schweren und öligen Whisky. Wie sich das auf den Geschmack, verglichen mit den anderen Destillierarten auswirkt, durften wir beim anschließenden Labor-Tasting herausfinden. Doch dazu später mehr.

Weiter geht es mit den seltenen Straight Neck Stills, welche auch Pot Stills sind. Eine solche Art gibt es laut David derzeit nicht ein zweites Mal für die Produktion von schottischem Single Malt. Die einzige Brennerei, die in einer ähnlichen Art von Still brennt, ist Scapa auf den Orkneys. Hier wird ein umgebauter Vorgänger der Straight Neck Stills verwendet. Was diese so besonders macht, sind die 17 Kupferplatten im Inneren der Brennereianlage. Sie bewirken einen hohen Reflux, wodurch der Brand deutlich reiner und sauberer wird. Gleichzeitig wird der Kupferkontakt erhöht. In diesen Straight Neck Stills können 2 Alkoholstärken produziert werden. Beim „High Cut“ wird ein durchschnittlicher Alkoholgehalt von ca. 84 % vol erreicht. Beim „Low Cut“ lediglich 68 % vol. Die verschiedenen Alkoholgrade haben einen starken Einfluss auf den Charakter des Single Malts.

Neben den Straight Neck Stills steht eine riesige Coffey Still. Hier wird ebenso als Grundprodukt gemälzte Gerste verwendet. In dieser Art von Still wird im kontinuierlichen Verfahren gebrannt. Von außen ist die Coffey Still mit Stahl verkleidet, doch im Inneren besteht sie aus Kupfer, um auch hier den wichtigen Kupferkontakt zu gewährleisten. Das Ergebnis der Coffey Stills darf allerdings nicht Malt Whisky genannt werden. Per Definition muss dieser im diskontinuierlichen Verfahren produziert werden, was bei Coffey Stills eben nicht der Fall ist. Die Destillieranlage ist über 20 Meter hoch, was die nebenstehenden Pot Stills winzig wirken lässt.

Das Stillhouse für die Whiskies aus gemälzter Gerste wirkt schon gigantisch. Doch es ist nichts im Vergleich zu den riesigen Grain Anlagen. Wohingegen die Brennerei ca. 5 Millionen Liter Whisky im Jahr aus gemälzter Gerste produziert, werden 20 Millionen Liter Grain Whisky hergestellt. Das sind 8 olympische Schwimmbecken voll Grain Whisky im Jahr!!

Das Labor-Tasting

Beim anschließenden Labor-Tasting durften wir die unterschiedlichen Arten von New Make, die bei Loch Lomond gebrannt werden, probieren. Um eine einheitliche Grundlage zu schaffen, werden die New Make Spirits auf 25 % vol heruntergesetzt. Dies ist der perfekte Alkoholgrad für das Nosing von Loch Lomond.

Der Grain Whisky ist ein leichter, fruchtiger und angenehm wirkender Brand mit Apfelnoten.

Der Coffey Still Whisky ist auch leicht und fruchtig doch mit wärmeren Noten und deutlich komplexer. Hier finden sich Bananen und Ananas wieder, zusammen mit dem klassischen Birnencharakter. Der Unterschied zwischen Grain Whisky und Grain Whisky (wie der Coffey Still Malt genannt werden muss) ist riesig!

Der High Cut New Make aus den Straight Neck Pot Stills wirkte besonders konzentriert. Intensive Fruchtnuancen zeigen sich, besonders die Birne sticht heraus. Der Low Cut wirkt deutlich kräutriger. Zwar hat er auch die typischen Birnennoten, diese finden sich allerdings in Begleitung von etwas Pfeffer und Topinambur.

Danach hatten wir den Single Malt, so wie man ihn kennt, im Glas. Der New Make aus den klassischen Swan Neck Pot Stills ist viel kräftiger und öliger als die Vorgänger. Er ist trotzdem faszinierend sauber und ohne jegliche Bitterstoffe. Zwetsche, Frühstückszerealien und überreife Pflaume kommen durch.

Anschließend kamen wir zum peated Islay Style Loch Lomond New Make aus den Straight Neck Stills mit low cut Alkoholstärke. Dieser ist Teil des „Inchmoan“. 50 ppm ist schon eine ordentliche Nummer! Uns kam eins sofort in den Sinn: kalter Aschenbecher. Nicht wirklich phenolisch/medizinisch dafür gewisse Kräuternoten oder vielleicht sogar Kräuterbonbon.

Loch Lomond Whiskies

Aufgrund der unterschiedlichen Produktionsverfahren kann die Loch Lomond Distillery viele verschiedene Whiskies produzieren. Es werden oftmals mehrere Arten von New Make verwendet. Aus der Loch Lomond Spirit Styles Tabelle kann man die Zusammensetzung der unterschiedlichen Loch Lomond Expressionen erkennen.

Loch_Lomond_Styles

Cooperage

Loch Lomond besitzt zudem eine eigene Cooperage. Hier durften wir live miterleben, wie ein Fass ausgebrannt wird. Bei dem „Medium Toast“ wird das Fass 3 Minuten mit Feuer bearbeitet und anschließend durch Wasser gelöscht. Auch das Erneuern von Fassdauben, das Prüfen der Dichte und das finale Befüllen der Fässer durften wir erleben. Doch dieses Thema verdient einen eigenen Blogeintrag!

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