Tag 2 Rioja Weinreise - Bodegas Ugarte - Bodegas Tobia

Tag 2

Am Abend  zuvor dachte ich noch, es war ein langer, aber schöner Tag, doch heute beim Frühstück wirkt die Gruppe schon wieder sehr wach und motiviert, alle lächeln als wir in den Frühstücksraum kommen und scheinen sich auf die nächste Runde zu freuen.

Der nächste feste Termin ist auf 14 Uhr geplant und ich frage die Gruppe ob wir noch einen Zwischenstop machen sollen. Alle ziehen mit und so starten wir um 10 Uhr in Richtung Heredad Ugarte, meinem Praktikumsbetrieb während der Ausbildung. Das Weingut hat bewegte Zeiten hinter sich, aber man merkt,  Don Vitorino und seine Töchter Mercedes und Ascen bringen wieder frischen Wind in die Segel und so langsam scheint der Betrieb wieder auf Kurs zu kommen.
Wie immer ist der Empfang unglaublich herzlich und nett, und obwohl eigentlich keine Führung frei ist, bekommen wir von Mihail, der guten Seele des Betriebes, eine zweistündige, ausführliche Führung durch den Keller. Ein Teil der Gruppe hatte den Betrieb noch nie gesehen und ist sichtlich beeindruckt, denn der Keller wartet mit ein paar Besonderheiten auf.
Das Weingut Ugarte ist auf einem Hügel erbaut worden - oder vielleicht sollte man es auch „Berg“ nennen, ja, nennen wir es besser einen Berg – in Mitten der Weinberge thront das Weingut auf diesem Berg, im Hintergrund die Bergkette Sierra Cantabria und vor uns das Flusstal des Ebro, eine einmalige Kulisse, die bei mir immernoch für Gänsehaut sorgt.
Die Besonderheit an diesem Betrieb ist eigentlich der Senior Chef, Vitorino.
Er ist ein wahres Unikat und hat Ideen durchgesetzt, die andere für pure Spinnerei hielten und noch heute halten würden, für mich ein Mensch mit Idealen und Ideen die man nur bewundern kann.
Victorino war schließlich einer von drei Söhnen und hatte im Familienweingut keinen Platz. So startete er mit der Eröffnung mehrerer Weinbars in Vitoria. Jeder Peso der übrig war, so erzählte er mir während meiner Ausbildung, kam auf die hohe Kante, entbehrliche Zeiten also. Und erst im Alter von über 50 Jahren konnte er sich den Traum erfüllen und endlich sein Weingut bauen.
Vitorino hat mich während der Ausbildung öfter zu sich geholt und mir sein Verständnis vom Wein und dem Weinbau erklärt und ich muss sagen, bis heute bleibt eine große Bewunderung für ihn und sein Lebenswerk – Hut ab! Jetzt aber weiter auf unserer Reise…
 
Im Berg unter dem Weingut hat Vitorino ein Tunnelsystem gegraben, mit ca. 2km Läng, und wer seine Hände sieht, weiß dass er beim Bau nicht nur daneben stand.
In dem weit verzweigten Netz aus knapp 2km Gängen befinden sich, eingelassen in die Wände, sogenannte Nichos, also Nischen. Hier dürfen die besonderen Kunden des Weinguts, die Weine aus dem Club de Barricas lagern und unter perfekten Bedingungen reifen lassen, darunter den Ugarte Reserva oder ,als Top-Selektion, den Martin Cendoya Tinto. Die Weine des Clubs erkennt man immer am schwarzen Etikett.
Der Duft im Keller ist bei jedem Schritt sehr einnehmend, nach Holz, Erde und Feuchtigkeit und zu den warmen Temperaturen ist der Keller eine schöne, erholsame Abwechslung. Mit jedem Meter den wir tiefer in den Keller laufen wird es etwas frischer und die Gänge kleiner, doch dann steht man auf einmal in einem dieser Räume der für mich etwas verzauberndes hat – ein sogenannter Txoco.
Diese „geheimen“ Treffpunkte im Keller stehen Kunden in den Tunneln zur Verfügung. Dort kann man, nach vorheriger Anmeldung, mit seinen Freunden und ein paar Tapas die Weine der Bodegas Ugarte genießen und der baskischen Lebensart ein Stück näher kommen.
Wenn der Weg nicht so weit wäre, wüsste ich wo ich meine Wochenenden verbringen würde…
Gehen wir lieber, bevor die Auswanderungs-Träume überhand nehmen.
 
Nach 2 Stunden Führung brechen wir auf in Richtung Cuzcurrita in der Rioja Alta.
Aber vor dem nächsten Weingutsbesuch ist eine Bar in Haro unser Ziel, denn ohne Stärkung wird es nach 6 Weinen und hitzigen Temperaturen doch so langsam „körperlich anspruchsvoll“.

Bodegas Tobia – Rioja Alta

Mit dem Besuch bei der Bodegas Tobia verlassen wir die Rioja Alavesa, also den Teil der Rioja im Baskenland, und begeben uns in die Rioja Alta, die Hochebene im westlichsten Teil der Rioja.
Hier, nördlich des Ebro liegen die Weinberge, wie der Name sagt, etwas höher und sind bereits dem Klima des Atlantiks ausgesetzt, auch wenn dieser noch 2 Autostunden entfernt liegt.
Genau hier begann auch der Siegeszug der Rioja in die Welt, an der Bahnstation von Haro, so verwundert es auch nicht, dass in dem kleinen Ort Haro bis heute einige der namhaftesten Betriebe (Muga, Bodegas Rioja Alta, Bodegas Roda, Gomez Cruzado, Bodegas Rioja Alta, etc.) zu Hause sind.
Nur 20 Minuten entfernt liegt das Weingut Tobia von Oscar Tobia, dort führt uns der nächste Weg hin.

Als wir dort ankommen staunen wir nicht schlecht, denn wir stehen vor einem relativ großen, modernen Neubau. Ich bin etwas verwundert, denn Tobia produziert nur knapp 600.000 Flaschen, das Weingut sieht aber eher nach 2 Mio. Flaschen aus…doch die Erklärung folgt kurz nachdem uns Jose Manuel in den Keller führt.
Oscar Tobia hat eigentlich 1994 als Garagenwinzer angefangen, doch die Garage seiner Eltern wurde schnell zu klein, denn seine Weinqualitäten haben Weinfreunde auf der ganzen Welt im Handumdrehen verzaubert und begeistert.
Oscar Tobia hat dieses Gebäude von einem Bauunternehmer abgekauft, besser gesagt von dessen Bank. Denn der Unternehmer dachte, die Weinwelt sei ein Spielplatz, hat kurzerhand eine Bodegas mit 2 Mio. Liter Kapazität gebaut und ist wenige Jahre nach Fertigstellung pleite gegangen.
Auf der einen Seite ein trauriges Schicksal, auf der anderen Seite freuen wir uns, dass Oscar den Betrieb kaufen konnte und so endlich einen Platz für sein Weingut und seine Arbeit gefunden hat.
 
Die Technik im Keller ist modern, alles ist sehr sauber und die Edelstahltanks für die Gärung stehen in Reih und Glied. Aber man merkt auch schnell, dass alles auf die handwerkliche Weinproduktion ausgelegt ist. Eigene Gärtanks, mit einem eigenen Patent zur Umwälzung der Maische, offene Barriques für eine besondere Maischegärung usw. Hier merke ich wieder… Wein ist Handwerk, ich würde sogar sagen Kunst und so lange ich in der Weinbranche arbeite, werde ich immer diese kleinen, handwerklichen Betriebe unterstützen, denn die Arbeit von Oscar und all seinen Mitstreitern verdient Anerkennung und höchsten Respekt….Doch jetzt wollen wir sehen wo das hölzerne Herz der Bodega Tobia schlägt.
 
Wir verlassen den Bereich der Edelstahltanks, denn diese versprühen doch wenig Romantik.
Jose Manuel führt uns eine Treppe hinunter in den Barrique-Keller. Schon beim Hinabsteigen über die Treppen kommt einem der Geruch von frischer Eiche entgegen und im Keller kommt man als Weinfan kaum aus dem Staunen raus, denn hier liegen fast 2000, maximal 3 Jahre alte, Barriques, und keineswegs die günstigere amerikanische Eiche, nein, hier liegt fast nur französische und ungarische Eiche, eine Investition in den Stil und die Qualität der Weine von Oscar.
Man merkt Jose Manuel die Verbundenheit zum Weingut und den Stolz auf die Weine in jedem Satz an, als wäre es sein Weingut. Er nimmt sich viel Zeit für unsere Fragen und als wir in den Verkostungsraum kommen, merken wir schnell, dass er nicht nur 3 Weine für uns eingeplant hat.
Er will uns das ganze Können von Oscar zeigen und auf dem Eichenholztisch stehen diverse Jahrgänge der Reserva, seine Gran Reserva und natürlich seine Tobia Seleccion de Autor. Er startet direkt mit einer Besonderheit, dem Barrique gereiften Rosado von Tobia. Danach folgt die Seleccion de Autor, die bessere Antwort von Tobia auf die vielen Crianzas in der Rioja. Die Weingruppe sitzt einmal mehr ruhig und interessiert vor den Weingläsern, während uns Jose Manuel die Eigenheiten und Aromen der jeweiligen Weine erklärt.
Jetzt wird es ernst…er öffnet uns die Tobia Reserva 2014 und die Tobia Reserva 2015, schlicht um uns eines zu zeigen - der Anspruch von Oscar ist es nicht, einen Wein zu machen der in jedem Jahrgang gleich schmeckt, sondern mit jedem Jahrgang auch dessen Charakter in der Flasche widerzuspiegeln.
Beim Verkosten merken wir schnell, dass beide Weine auf einem unglaublich hohen qualitativen Level sind, aber man schmeckt auch schön die Jahrgangsunterschiede, so ist die 2014er Reserva etwas klassischer und zeigt mehr Lakritz und Holznoten, der 2015er ist dafür nach kurzer Zeit im Glas tiefer und dichter, mit süßeren Fruchnoten und einer klareren, fruchtbetonteren Struktur die uns an Pflaume erinnert. Am Gaumen ist er zwar noch jung, doch die kräftige Frucht macht ihn schon zugänglich. Erstklassige Weine sind auf alle Fälle beide und wir freuen uns über die Möglichkeit dieses direkten Vergleichs, denn der 2015er war zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Verkauf.
Jose Manuel verschwindet und kommt kurz danach mit der nächsten Flasche in der Hand wieder…
…wir bekommen die Tobia Rioja Gran Reserva 2012 eingeschenkt, eigentlich ist sie ja ausverkauft, aber eine Flasche für uns ist noch da. Im Raum wird es schnell still und alle riechen an den Gläsern und fangen an zu verkosten. Und mit dem ersten Schluck sehe ich schon ein Grinsen bei meinem Tischnachbarn…was für ein grandioser Wein!
Fast verzweifelt suche ich nach einem passenden Gericht zu diesem Wein und mir fällt nicht mehr viel ein, eventuell ein Stück Dry-Aged Beef mit Pfeffer und Salz, als Beilage…dieser Wein, sonst nichts!, nur diesen Wein – so stelle ich mir einen perfekten Abend auf der Terrasse des Weinguts vor. Vielleicht doch Zeit auszuwandern?...

Jose Manuel freut sich sichtlich ob unserer Begeisterung und hat schon wieder den Korkenzieher in der Hand, dieses Mal öffnet er den Alma Tobia Tinto, übersetzt heißt dies „die Seele des Tobia“. Dieser Wein ist in keiner Kategorie des Consejos einsortiert, er ist schlicht als „Generico“ deklariert, also mit dem grünen Qualitätssiegel. Hier will sich Oscar Tobia nicht viel vorschreiben lassen und unterwirft sich nur den Grundregeln der Rioja. Je nach Jahrgang liegt die Alma Tobia mal länger, mal kürzer im Barrique, um so den Charakter der Weinberge perfekt abzubilden. Und nach dem ersten Schluck wissen wir warum, dieser Wein ist grandios, ich würde nicht sagen, dass er über der Tobia Gran Reserva steht – man muss ihn eher als eigene Kategorie sehen, denn sein Charakter ist jünger und moderner als jener der Gran Reserva, aber qualitativ einfach nur eine Kampfansage an alle großen Riojas! Hut ab! Oscar wir sind mehr als Glücklich mit den Weinen die wir hier aus deiner Feder probieren durften – vielen Dank!

Nach der ausgiebigen Verkostung wandern wir langsam in Richtung Ausgang, doch eine kleine Idee haben wir noch. Standen im Verkaufsraum nicht noch diese 2001er Magnum Tobia Gran Reserva?
Schnell steht fest – diese zwei Flaschen bekommen ein neues Zuhause…
Im Hotel angekommen geht es eine Runde aufs Zimmer, um dann frisch in den Abend zu starten. Dieses Mal essen wir direkt im Hotel Villa Laguardia und auf Nachfrage öffnet uns der Kellner die zwei Flaschen am Tisch. Jetzt zeigt sich so richtig, welches Potenzial die Weine von Tobia haben, nach über 17 Jahren überrascht uns die 2001er Gran Reserva noch mit solch einer Dichte und Ausgeglichenheit, dass wir fast das Essen vergessen... aber nun, Glas in die Hand… Stift weg… und einen guten Appettit.
Ein gelungener zweiter Tag!

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