Tag 3 - Rioja Reise - Bodegas Escudero - Rioja und Navarra - Ein Weingutsbesuch

Weinreise - Tag 3
Bodegas Escudero Rioja Baja/ Rioja Oriental

Mittwochmorgen 7:00Uhr und die Sonne hebt sich langsam aus den Weinbergen der Rioja Alavesa, noch sitzen alle gemütlich beim Frühstück aber in einer Stunde geht es los. Uns erwartet eine knappe Stunde Fahrt im Auto von Laguardia in der Rioja Alavesa bis nach Calahorra in der Rioja Baja (mittlerweile übrigens Rioja Oriental genannt, denn die Winzer fanden, dass der Begriff „baja“ = flach, mit einer geringeren Qualität in Verbindung gebracht werden könnte, dabei geht es hier um den Höhenunterschied).

Am Weingut Benito Escudero angekommen, erwartet uns schon Jesús, der Vertriebsleiter des Betriebs. Er freut sich schon sichtlich auf uns und startet direkt mit einer Führung durch das Weingut. Schon nach kurzer Zeit merken wir, dass hier ein ganz besonderes Betriebsklima herrscht – „Spaß an der Arbeit“ wäre untertrieben, besser beschrieben wäre es mit dem Wort „begeistert“! Jedes kleinste Detail, von der Traubenannahme, über den Sortierttisch und die automatische Sortieranlage, bis hin zur Presse, den Tanks und den Fässern, alles ist Jesús einen Stop wert und mindestens eine 5 minütige Erklärung.
Langsam arbeiten wir uns so durch den Keller bis wir am Ende durch die Abfüllanlage ins Weinlabor kommen. Dort wartet Amador, der Eigentümer und Önologe, bereits auf uns. Neben ihm steht Roberto, sein Kellermeister und seine rechte Hand in der Weinbereitung.
Alle sind schon gespannt was jetzt passiert und die Gläser auf dem Labortisch verheißen Gutes.
Er holt eine Flasche Weißwein aus dem Kühlschrank und schenkt uns seinen 2017er Chardonnay-Viura ein. Dieser wurde im Barrique vergoren und hat mit einem leichten Weißwein nicht mehr viel gemeinsam, aber er überrascht doch durch seine Finesse am Gaumen.
Amador erklärt uns auch schnell weshalb. Die Chardonnay-Trauben für diesen Wein stammen aus einer höher gelegenen Weinbergslage in der Rioja Baja, sorry Rioja Oriental meinte ich natürlich...Aber auch hier gelingen Weißweine, wie dieser Chardonnay zeigt...Am Monte Cierga wachsen die Trauben auf fast 700 Meter Höhe und behalten so ihre Frische. Wenn man frech sein will, könnte man diesen Weißwein in seiner Jugend glatt mit einem Weißwein aus der Bourgogne vergleichen – Holzeinsatz und Frische im perfekten Gleichgewicht!
Was wir an der Stelle noch nicht wussten, wir werden den Weinberg noch live sehen und eine spannende Reise, in unserem 9-Sitzer Bus, über die von Amador liebevoll „Weinbergsautobahn“ genannte Schotterpiste erleben. Aber jetzt gibt es erstmal noch einen Schluck vom 2001er Vinsacro, und siehe da...er lebt! Nach fast 18 Jahren ist der Wein noch immer ein Gedicht und zeigt eine unglaublich komplexe Nase und viel Finesse.
Den 2010er Vinsacro Dioro haben wir direkt bestellt, denn nach diesem Reife-Beispiel wissen wir jetzt, was wir uns auch nach längerer Lagerzeit erwarten dürfen.
Die gereiften Weine der Escuderos zeigen schlicht die Perfektion die bei der Herstellung praktiziert wird, so ist auch der Vidau 2005, quasi ein gemischter Satz, aus einem der ältesten Weinberge der Familie ein Wein von Weltformat und macht bei jedem Glas Spaß. Hier stehen alte Rebsorten im Weinberg die mühevoll im Herbst sortiert werden und dann gemeinsam ausgebaut werden, doch den Wein muss man schlicht selbst erleben.

Nach 4 Stunden im Keller kommen wir wieder ans Tageslicht und fahren jetzt zum neuen Projekt von Amador und seiner Familie. Ein Weingut in der Navarra hatte sich ein wenig überschätzt und so kaufte Amador das Weingut sammt Weinbergen. Jetzt muss er es nur noch umbauen, denn in seinem Keller läuft die Verarbeitung so weit als möglich durch die Hilfe der Schwerkraft und nicht durch große Pumpen. Die Tanks werden von oben befüllt und beim Umlagern wird eine Art riesige Edelstahlkanne gefüllt und mit dem Kran zum neuen Tank befördert und dann wieder von oben in diesen entleert. So entstehen Weine die wenig mechanische Belastung erfahren haben und dadurch eine bessere Aromenstruktur zeigen – auch hier sieht man, alles ist auf Qualität ausgelegt. Im neuen Keller dürfen wir dann auch zwei Weine direkt aus dem Edelstahltank probieren, einen Merlot und einen Cabernet aus der Navarra. Diese sind bereits an einen amerikanischen Händler verkauft und warten nur noch auf ihre Abfüllung.
Der Keller in der Navarra ist bedeutend kleiner als der in der Rioja und Amador sagt uns auch warum. Hier sollen alle seine Navarra Weine ausgebaut werden. Die Trauben dafür stammen aus einem 80 – 120 Jahre alten Weinberg und es gibt dementsprechend wenig Menge. Es soll eine Art Boutique-Winery werden, ohne dabei Wert auf Prestige und hohe Preise zu legen, sondern vielmehr auf eine handwerkliche Weinproduktion die sich vollends der Qualität verschrieben hat. Und die Ergebnisse können sich schon jetzt sehen lassen. Hier entsteht bereits der Logos II, aus Garnacha, Cabernet und Tempranillo, wobei die Garnacha-Trauben aus der alten Rebanlage stammen.

Nach diesem kurzen Ausflug ins Navarra-Weingut geht es jetzt wieder in die Sonne.
Auf dem Hof wartet schon Amador im Jeep und empfiehlt uns, dass ein Teil der Gruppe bei ihm mitfährt, da er Angst hat, dass unser Bus im Weinberg aufsitzt…und dann geht es los auf die „Weinbergsautobahn“.
Stellen Sie sich einfach vor, Sie würden zu einer Rallye eingeladen werden
und müssen diese in einem Ford Transit bestreiten!… eine ganz neue Erfahrung.
Nach knapp 15 Minuten sind wir im Weinberg angekommen und Amador zeigt uns warum er so stolz ist auf diesen Weinberg.
Die Rebknorren sind dicker als ein Bein, liegen nur knapp über dem Boden und die Blätter sind grün und strotzen vor Kraft…wir sind tatsächlich in einem Weinberg den schon mein Opa hätte besichtigen können – Rebstöcke die zwischen 80 – 120 Jahre alt sind – da ergreift mich schon etwas die Ehrfurcht. Es ist einfach schön zu sehen mit welcher Liebe zu den Weinbergen Amador und sein Bruder ihre Arbeit angehen.
Jesús erzählt uns von einem der letzten Jahre, als ein Pilzbefall die Trauben in einem Weinberg bedroht hat und jeder ihm zum Einsatz von chemischen Fungiziden riet, doch seine Antwort war nein. Er erklärt uns kurz und knapp: „die Natur reguliert sich selbst und wir sind gar nicht in der Lage die Tragweite unserer Eingriffe zu verstehen, daher versuche ich, den Weinbergen alles zu geben was sie brauchen um gesund zu sein, aber keine chemische Unterstützung!“. Man sieht es den Reben aber auch an, keine Chlorose, keine Unterversorgung, saftiges Grün soweit das Auge reicht. Und in den Rebzeilen? Keine totgespritzten Rebzeilen - sondern maschinell gemulcht- an anderer Stelle bewachsen – hier sieht man schnell, Jesús verwöhnt uns nicht mit geschöntem Marketing sondern lebt seine Einstellung. Hut ab!

Warum die Reben so vor Kraft strotzen erfahren wir beim nächsten Stop.
Am Rand der Weinberge erwartet uns ein Berg Mist – ja, Sie lesen richtig, MIST. Aber was hat es damit auf sich? Ein zweiter Jeep fährt jetzt vor und die rechte Hand von Amador im Keller, Roberto, steigt aus. Er darf uns den Mist zeigen, und darauf hat er sich sichtlich gefreut.
Mit 2 großen Schritten läuft er auf die Hügellandschaft aus Pferde- und Hühnermist zu – und dann…greift er mit beiden Händen hinein und eine Sekunde später hält er mir genau diese handvoll Mist an die Nase (kein Tippfehler, es war nicht mehr „unter die Nase“) doch seltsamerweise...- es riecht schlicht nach Erde und Humus. Die Erklärung folgt auch direkt. „Siehst du die roten Würmer?“, fragt er mich, während er mit seinen beiden Händ im Hügel wühlt.
Roberto erklärt uns, wie Jesús diese Würmer gezüchtet hat und wie diese den Mist in einen natürlichen Dünger verwandeln.
Ich musste fast 32 Jahre alt werden, um jemanden zu erleben, der sich so für einen Berg Mist begeistern kann, aber ich muss zugeben, es ist beeindruckend wie die Philosophie des Weinguts hier alle ansteckt und begeistert. Und man schmeckt es in jedem Wein, so sind manche zertifiziert und andere nicht, aber Amador und Jésus leben ihre naturnahe Philosophie in jedem Wein, so auch in der Becquer Crianza mit dem auffälligen "grünen" Touch im Label...

Mittlerweile ist es 18 Uhr und Roberto dreht sich vom Misthaufen um, mit Blick in Richtung Weinberge. Unten, in ca. 3 KM Luftlinie entfernung, liegt ein Weinberg auf den er zeigt. Dringend sollten wir dort hin, denn es ist die beste Graciano-Anlage des Weinguts und Roberto wirkt als wäre er der stolze Vater jedes einzelnen Rebstocks auf diesem Grundstück. Ein Blick in die Gesichter der Gruppe verrät aber – es ist Zeit für ein Glas Wein und einen ruhigeren Moment, denn mittlerweile sind wir fast 9h auf dem Weingut unterwegs. Roberto wirkt fast emotional, aber wir erklären ihm, dass wir uns lieber nochmal ein Bild der Qualität im Glas machen wollen.
Nach einer kurzen Fahrt sind wir zurück im Weingut und alle verabschieden sich dankbar und glücklich, aber auch müde, von Jesús und Roberto. Eine Kiste Wein für den Abend kommt noch aus dem Keller ins Auto und dann geht es zurück ins Hotel, wo wir auf den gelungenen Tag mit einem Glas Vermouth Garnacha Gran Reserva anstoßen oder vielleicht auch noch ein bis zwei weiteren Flaschen, um nicht zu sagen: der Karton Wein hat den nächsten Tag nicht erlebt.
Ein wirklich gelungener Abschluss, mit einem Glas Logos Rosado Barrique, während die Sonne langsam im Tal des Ebro untergeht.

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